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Gehorsam und Revolte

Haydngasse 15, 1060 Wien
Ausstellungsdauer: 6.2 - 7.3.26
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 15 -18 Uhr.

„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht.“ (Heiner Müller)

Der Duden beschreibt „Gehorsam“ als „Unterordnung unter den Willen einer Autorität“; „Revolte“ als „gegen bestimmte Verhältnisse gerichtete Auflehnung“. Meist zeigt sich kein eindeutiges Entweder-Oder. Gehorsam und Revolte wirken gleichzeitig, nebeneinander.

Welche sind die Momente, in denen uns gar nicht bewusst ist, dass wir gehorchen? Wo wir uns aus Taubheit, fehlendem Bewusstsein nicht bewegen, unsere Fesseln nicht spüren? Und es in weiterer Folge nie zur Frage „Muss das denn so sein?“ kommt.

Wenn sich Gehorsam nicht kennzeichnet und „Normalität“ genannt wird. Die ausgestellten Arbeiten von Pia Weissinger und Nikita Sukhov in „Gehorsam und Revolte“ laden ein, über Funktionieren, Mitschwimmen und dieses (fehlende) Bewusstsein zu reflektieren. Sie betrachten Macht und Unterwerfung im alltäglichen Leben; in Beziehungen, am Arbeitsplatz, im Caféhaus. Und: Momente, in denen Menschen kippen.

Kuratiert von Heribert Michlmayer und Magdalena Burghart

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Nikita Sukhov

Nikita Sukhov

„Meine Bilder zeigen unsere Gesellschaft“.

Mit Ironie und kunsthistorischen Referenzen, einer bewusst rohen, expressiven Bildsprache thematisiert Nikita Sukhov gesellschaftliche Hierarchien, vermeintliche „Normalität“. So etwa in „Lobster Mining“. Hier graben Frauen mit kräftigen Armen nach Hummern. Sie arbeiten fokussiert, in Kleidern und High Heels. Während sie abbauen und ausbeuten, steht hinter ihnen eine Tür offen — nach draußen. Ob sie die Tür sehen? Ob sie die Miene verlassen?

Der Hummer taucht in der Kunstgeschichte sowohl als Zeichen von Wohlstand, sowie als düsteres Wesen auf. Bei Hieronymus Bosch etwa, als Teil der Hölle. Im Laufe der Kunstgeschichte steht der Hummer sowohl für Status, als auch für Bedrohung.

In „The Rose Eaters“ werden Rosen verschlungen. Blumen, die wir sonst verschenken, um Liebe zu zeigen, werden hier gefressen. Sukhov entwickelte das Werk in Anlehnung an van Goghs „Potato Eaters“. Statt Hunger nach Nahrung, haben die rose eaters Hunger nach Zuneigung.

Nikita Sukhov lebt und arbeitet in Wien. Geboren 1994 in Kazan (Russland), studierte Kunstgeschichte und ist in der Klasse von Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste.

Pia Weissinger

Die Künstlerin untersucht diese Kipppunkte. Menschen, die lange gehorcht, lange funktioniert haben — bis etwas entgleist. Emotionen brechen aus, Kontrolle geht verloren; Gewalt und Selbstverletzung übernehmen. In ihren Arbeiten ist Revolte kein heroischer Akt, sondern eine unmittelbare, unkontrollierte, zerstörerische Reaktion.

Pia Weissinger interessiert sich für Macht im Alltag: In intimen Beziehungen oder am Arbeitsplatz. Wie lange verharren Menschen im Gehorsam? Wann wird ein Opfer zum Täter? Entspannt liegt die Frau in „Beauty Session“ auf einem Sofa. Abendkleid, Gesichtsmaske, Gurkenscheiben — der Raum um sie herum liegt im Chaos. Im Aquarium schwimmt ein Fötus.

Die Frau in „God shave the queen“ ist nackt. Sie hat sich den gesamten Körper und Kopf rasiert. Haarlos und mit Glatze kauert sie auf einem Plastiksessel. Was hat sie dazu getrieben? Pia Weissinger lebt und arbeitet in Wien. Sie schloss ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste in der Klasse von Daniel Richter 2025 ab.

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